Interview mit Autorin Carmen Korn zur 4. SuedLese 2019

Die Wichtigkeit von Zusammenhalt

Carmen Korn kommt zur 4. SuedLese in die Bücherhalle Harburg. (Foto: Jörg Brockstedt)

Für ihre Krimis wie „Tod in Harvestehude“ wurde sie preisgekrönt. Zur 4. SuedLese kommt sie mit ihrer „Jahrhundert Triologie“ nach Harburg: Carmen Korn. ´Tiefgang` sprach sie vorab.

Carmen Korn arbeitete viele Jahre als freiberufliche Journalistin, widmet sich mittlerweile aber vor allem der Schriftstellerei. Nach ihrer Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg war sie zunächst als Redakteurin für den „Stern“ tätig, anschließend schrieb sie regelmäßig für „Brigitte“, „Viva“ und „Die Zeit“ und wurde Buchautorin.

1999 wurde sie von der Raymond-Chandler-Gesellschaft für „Tod in Harvestehude“ mit dem Marlowe-Preis ausgezeichnet. Sie überzeugte in der Kategorie „Beste Kriminalkurzgeschichte – National“. 2004 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis vom Syndikat e. V. für „Unter Partisanen“ in der Kategorie Kurz-Krimi. Neben Kriminalromanen und Kurzgeschichten veröffentlichte sie seit 2002 etliche Romane.

Im Mittelpunkt ihrer im letzten Jahr abgerundeten „Jahrhundert Trilogie“ stehen vier Frauen, die sich in Hamburg trotz unterschiedlicher Herkunft anfreunden und fortan Höhen und Tiefen miteinander teilen, persönliche Schicksalsschläge und die Verwerfungen der Weltpolitik miterleben. Carmen Korn begleitet diese vier Frauen, ihre Kinder und Enkelkinder durch das 20. Jahrhundert und verleiht der Zeitgeschichte Leben.

Am 3. April wird sie in der Bücherhalle Harburg lesen. In Kooperation mit der Hamburger Volkshochschule wurde die Schriftstellerin eingeladen, um mit einem literarischen Blick auf das vergangene Jahrhundert zu schauen. Denn auch die VHS und das Frauenwahlrecht feiern in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Was könnte also stimmiger sein, als eine Lesung mit Carmen Korn und ihren vier Zeitzeuginnen?

Tiefgang (TG): Sie haben im vergangenen September Ihre Jahrhundert-Trilogie mit dem dritten und letzten Band „Zeitenwende“ vollendet. Die LeserInnen erwartet wieder persönliches Erleben vor geschichtlichem Hintergrund mit Lokalkolorit. Liegt Ihr Schwerpunkt auf den Lebenswegen ihrer Protagonistinnen?

Carmen Korn: Die Lebenswege der Frauen und Männer, von denen ich erzähle, sind die roten Fäden, an denen entlang ich von den Zeitläufen berichte. Also lässt sich sagen, der Schwerpunkt liegt dort, die große Geschichte findet immer auch in den kleinen Leben statt.

TG: Am Rande erfährt man auch etwas über die gesellschaftlichen Umstände. Wie wichtig war Ihnen der Bezug zur Zeitgeschichte? Nach welchen Kriterien wählten Sie einzelne Aspekte aus?

Carmen Korn: Der Bezug zur großen Zeitgeschichte war mir sehr wichtig. Siehe oben. Doch da gibt es auch die zeitgeschichtlichen Aspekte, die in den individuellen Schicksalen meiner Figuren quälend und prägend waren. Zum Beispiel der Paragraph 175 im Leben von Hennys Sohn Klaus und dessen Gefährten Alex.

TG: Sie haben zuvor diverse Krimis, aber auch Kinder- und Jugendliteratur veröffentlicht. Wie kam es zu der Jahrhundert-Trilogie?

Carmen Korn: Meine ersten beiden Bücher waren weder das eine noch das andere, sie waren Kammerspiele. In die Kriminalgeschichten bin ich nicht ungern reingerutscht, doch im Frühling 2015 wurde mir klar, dass ich nicht bis zum Ende meiner Tage Morde produzieren wollte. Familienthemen waren mir schon immer wichtig, auch in den Krimis. Und ich hatte im Laufe der Jahrzehnte einen großen Fundus angelegt, mit dem diese Familiengeschichten ausgestattet werden konnten. Wahrscheinlich war das schon immer mein Herzensthema.

TG: Haben Sie einen Liebling unter den drei Bänden „Töchter einer neuen Zeit“ (2016),  „Zeiten des Aufbruchs“ (2017) und „Zeitenwende“ (2018)?

Carmen Korn: Der aktuellste ist mir erst einmal der nächste Band, weil noch so sehr präsent. Doch jeder Band steht für sich und liegt mir am Herzen.

TG: Gibt es eine Kernaussage, die Sie gerne vermitteln wollten?

Carmen Korn: Die Wichtigkeit von Zusammenhalt. Sei es im familiären Bereich oder unter Freunden. Und dass ich politisch eher linksliberal und friedlich eingestellt bin, schimmert wohl auch durch.

TG: Die Hamburger Volkshochschule feiert dieses Jahr auch hundertjähriges Bestehen. Was denken Sie persönlich über die Errungenschaften dieser Epoche?

Carmen Korn: Die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war gewaltig und gewaltsam für die Menschen, die es erleben mussten. Dann kam viel Gutes: die deutschfranzösische Freundschaft, der europäische Gedanke, die Abrüstung, das Ende des Kalten Krieges. Ich hoffe sehr, dass wir nicht wieder alles verspielen.

TG: Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview!

(das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

Lesung am 03. April 2019 um 20 Uhr in der Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstr. 47a, 21073 Hamburg-Harburg; Eintritt 10,- €

Kooperation von Bücherhalle Harburg, Hamburger Volkshochschule Harburg & Buchhandlung am Sand Harburg.

Die Trilogie:

 

Band 1 „Töchter einer neuen Zeit“, Kindler Taschenbuch  2016, 10,99 € 

Band 2 „ Zeiten des Aufbruchs“, Kindler Taschenbuch 2017, 10,99 €

Band 3 „Zeitenwende“, Kindler Taschenbuch 2018, 10,99 €

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