Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Die Wahrheit

Rein oder gepanscht: in vino veritas! (Foto: Sonja Alphonso)

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.
Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die Wahrheit ein dehnbarer Begriff ist und möglicherweise überhaupt nicht existiert auf der stofflichen Ebene. Vielleicht ist sie nur eine Einbildung. Oder überall und nirgends. Wer weiß schon, wo die Wahrheit liegt? Vielleicht ist die ungeschminkte Wahrheit so unscheinbar, dass wir sie gar nicht sehen können.
Das Leben treibt manchmal seine Spielchen mit uns. Hätte es einen Knobelbecher, es würde die Wahrheit genau da verstecken, wo wir sie nicht vermuten. Manchmal sieht man diese Spieler, die etwas unter einem von drei Bechern verstecken und diese dann solange und geschickt vertauschen, dass man ganz irre wird vom Hinschauen. Trotzdem sind manche bereit, darauf zu wetten, dass sie wüssten, wie das Spiel läuft und wo das Gesuchte zu finden ist. Dabei ist ihre vermeintliche Gewissheit nicht viel mehr als die Hoffnung, richtig zu raten. Sie zeigen siegessicher auf einen Becher und sind sehr enttäuscht, vielleicht sogar empört, wenn sie falsch liegen.
Doch mal unter uns: die menschlichen Sinne sind nicht die besten und leicht zu täuschen. Was, wenn die Wahrheit IMMER jenseits unserer menschlichen Vernunft liegt? Statt uns verarscht zu fühlen, könnten wir auch zurückhaltender urteilen, statt Haus und Hof zu setzen. Wenn wir doch nur einsehen würden, dass wir wirklich wenig wissen und noch weniger verstehen! Es wäre viel gewonnen, denke ich.

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