Umeswaran Arunagirinathan zu Gast bei der SuedLese 2018:

Der typisch fremde Deutsche

Arzt, Akademiker und integriert: Umeswaran Arunagirinathan flüchtete einst aus Sri Lanka und weiß: Toleranz kann man lernen. (Foto: PR)

Mit 12 Jahren flüchtete er alleine aus Sri Lanka. Heute ist er Herzchirurg in Hamburg und hat einiges zu sagen. So auch bei der 3. SuedLese und zwar im Café Refugio: Umeswaran Arunagirinathan.

Umeswaran Arunagirinathan sagt „Moin, Moin“ und lässt sich Umes nennen. Das macht es allen im Umgang leichter. Er stammt aus dem nördlichen Sri Lanka und flüchtete alleine im Alter von zwölf Jahren vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Hamburg. Heute ist er Arzt am Universitären Herzzentrum der Hansestadt.

Tiefgang (TG): Über Ihre Erfolgsgeschichte „Vom Flüchtling zum Herzchirurgen“ wurde vielfach berichtet. Glauben Sie, dass das mit Ihrem angesehenen Beruf zusammenhängt?

Umeswaran Arunagirinathan: Ich persönlich finde es gut, dass meine Geschichte vielfach berichtet wird, damit die Geschichte ein Beispiel für die jetzt ankommende Menschen sein kann. Traurig jedoch, dass es tatsächlich auch mit meinem Beruf Herzchirurgie zutun hat.

TG: Fühlen Sie sich manchmal benutzt als „Vorzeige-Flüchtling“? Es ist vor allem Ihr Verdienst, dass Sie Ihren Weg, der sehr lang und schwierig war, gemeistert haben. Abgesehen von den Kriegs- und Fluchterfahrungen hatten Sie hier über viele Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen, z. B. der ewigen Angst vor Abschiebung. Was hat Ihnen die Kraft gegeben, nicht aufzugeben?

Umes: Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt benutzt gefühlt. Es wäre falsch, mich als Vorzeige-Flüchtling zu verkaufen, ich persönlich möchte ein Beispiel für eine gelungene Integration sein, dies nicht, weil ich Akademiker und Arzt bin.

TG: Menschen reagieren empathischer auf Einzelschicksale als auf eine anonyme Masse. Ihre Popularität ist gewiss sehr hilfreich, um dem Thema ein freundliches Gesicht und eine Stimme zu geben. Das geht unter die Haut, weil es um das persönliche Erleben geht. War das ein Grund für Sie, das Buch zu schreiben?

Umes: Mit meinem ersten Buch „Allein auf der Flucht“ beschreibe ich meinen Alltag als Kind im Bürgerkrieg auf Sri Lanka und meine Flucht über Afrika nach Europa mit einer Schlepperorganisation. Ich wollte damit eine Art Aufklärung in der Gesellschaft betreiben, um Verständnis zu schaffen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und zu uns nach Deutschland kommen. Mit meinem zweiten Buch „Der fremde Deutsche“ möchte ich einen Beitrag für die Integration leisten. Als ehemaliger Flüchtling und deutscher Staatsbürger möchte ich den Dialog zwischen beiden Gruppen fördern, was unverzichtbar ist, um ein gutes Zusammenleben zu gestalten. Wenn ich mit meinen Büchern Menschen eine Stimme geben kann, die aktuell selbst nicht dazu in der Lage sind, dann ist es eine gute Sache.

TG: Seit den großen Flüchtlingsströmen hat sich das gesellschaftliche und politische Klima leider aufgeheizt. Welchen Rat würden Sie den Menschen geben, damit Toleranz kein Fremdwort wird?

Umes: Vorurteile und Rassismus sind die Stolpersteine der Integration. Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die zu uns kommen, im Dialog mit der Gesellschaft bleiben. Toleranz ist lernbar. Ich würde meine Mitmenschen bitten, auf den einzelnen Menschen zuzugehen und sie kennenzulernen. Um Toleranz in unserer Gesellschaft zu fördern, benötigen wir die Zeit und die Aufklärung, wozu jeder einen Beitrag leisten kann.

TG: Welche Bedeutung messen Sie dem Herzen bei?

Umes: Unser schönste Organ, das wir besitzen. Zurecht ist sein Platz im Zentrum des Körpers.

TG: Welches kulturelle Erbe ist Ihnen heute noch wichtig? Welche Werte halten Sie hoch?

Umes: Ich habe als Kind von meiner Mutter einiges mitgenommen. Gastfreundschaft, soziales Handeln, das Lachen in unruhigen Zeiten nicht zu verlieren und die Dankbarkeit. Besonders wichtig wäre der familiäre Zusammenhalt.

TG: Gibt es Eigenschaften, die Ihnen an der (nord)deutschen Mentalität besonders gut gefallen?

Umes: Ich liebe allgemein die Pünktlichkeit und die Zufälligkeit in unserem Land, besonders im Norden finde ich es gut, dass ich jeder Tageszeit „Moin Moin“ sagen kann.

TG: Wir bedanken uns sehr HERZlich bei Ihnen und freuen uns auf Ihre Lesung am Do., 19. April um 20 Uhr im Refugio-Café der Gastfreundschaft, Bremer Straße 9, 21073 Hamburg.

Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.

Bisher erschienen:

Umeswaran Arunagirinathan: „Allein auf der Flucht“, Konkret Literatur Verlag, 2005, ISBN: 9783894582418, Preis:  € 12,50

Umeswaran Arunagirinathan: „Der fremde Deutsche“, Konkret Literatur Verlag, 2017, 141 Seiten, ISBN-13: 9783894582982, Preis: € 12,50

 

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