Ein gruseliger Abend auf dem Buxtehuder Waldfriedhof

Dem Tod auf der Spur

Die Buxtehuder Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer lädt samt Gefolgschaft zur Todes-Tour der besonderen Art. (Foto: Catharina Schulz)

Der Tod ist meist ein Tabu. Ausgerechnet auf dem Buxtehuder Friedhof bricht eine Kunsthistorikern es und man hat jede Menge Spaß dabei. Bei dieser Tour liegt man richtig!

Buxtehude. Die Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer bietet am Freitag, 27. April, 19 Uhr, auf dem Buxtehuder Waldfriedhof, Heitmannsweg, mal wieder ihr „Friedhofsgeflüster“ an. In der Rolle der Schwarzen Witwe erzählt sie anschaulich etwas zur Bestattungskultur des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Das Friedhofsgeflüster in der Rolle der „Schwarzen Witwe“ fand bereits im Oktober 2017 schon mal statt und war gleich ein voller Erfolg. Kretschmer spannt dabei den Bogen von Bestattungsbräuchen bis hin zum Aberglauben, untermauert durch Geschichten von dem persönlichen Schicksalsschlag der Witwe. In der Dämmerung geht es an den Gräbern vorbei und so wird die eigene Sterblichkeit aber auch die Bedeutung von Ritualen bewusst. Ganz nebenbei erfahren die Interessierten etwas über illegalen Leichenraub, was früher alles aus Leichenfett hergestellt wurde und warum Märchen oft viel mehr Wahrheit verbergen als man glaubt.

Erbsen im Sarg

Wer die außergewöhnliche Dame aus vergangen Zeiten kennenlernen und darüber hinaus erfahren möchten, warum man einem Toten Erbsen mit in den Sarg geben muss oder aber was die Taube mit dem Tod zu tun hat, sollte die Führung nicht verpassen. Das Friedhofsgeflüster versteht sich als Wanderführung und findet seit sieben Jahren vorrangig in Norddeutschland statt. Dr. Anja Kretschmer initiierte die Führung, um dem tabuisierten Umgang mit der eigenen Endlichkeit entgegenzuwirken und Öffentlichkeitsarbeit für Friedhöfe als wichtige Erinnerungsorte zu betreiben.

Am Ende der Führung gibt es einen kleinen Umtrunk. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung in der Friedhofskapelle statt. Um Anmeldung wird gebeten. Der Eintritt kostet zwölf Euro.

Foto: Heinrich v. Schimmer

Wie kommt man aber auf so eine abgedrehte Tour? „Ich biete regelmäßig und auf Nachfrage eigenständig konzeptionell erarbeitete Friedhofsführungen am Tag und in der Dämmerung an. Die Besonderheit dieser Führungen liegen in ihrer Authentizität, denn alle Geschichten besitzen regionalen Bezug“, so die „Schwarze Witwe“ und promovierte Kunsthistorikerin Kretschmer. Bei einer Führung etwa stehen die Sitten und Bräuche sowie der Aberglaube unserer Vorfahren im Mittelpunkt. Wie sind unsere Vorfahren mit den Themen Sterben, Tod und Trauer umgegangen? Welche Rituale gab es? Wer war die Leichenbitterin? Wissen Sie, warum man einem Sterbenden nie beim Namen rufen darf? Was sind Totenkronen?

Bei einer anderen Tour geht es rund um die Leiche: Von Leichenwache, Leichenraub und Leichenfett. Der Umgang mit dem Verstorbenen wird aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet. Warum musste man damals bis zur Beerdigung Wache am Toten halten? Und weshalb wurden Erbsen in den Sarg geschüttet und der Verstorbene festgebunden? Ebenso wird die Trauer- und Gedenkkultur des 19. Jahrhunderts vorgestellt und erläutert, wozu man Körperhalter benötigte. Dass der verstorbene Körper außerdem ein lukratives Geschäft darstellte und warum Märchen oft vielmehr Wahrheit verbergen als man glaubt, erfährt man in diesem Teil des Friedhofsgeflüsters.

Die „Premium“-Führung

Bei einer „Premium“-Führung wird gar das Mysterium des Todes behandelt. Es hat die Menschheit seit jeher beschäftigt. Das Ungewisse und Nicht(be)greifbare lässt Raum für Phantasie, Sehnsüchte und Spekulationen. Diese Erlebnisführung richtet sich an alle, die mehr erwarten und unerschrockenen Geistes sind. Für offene und neugierige Gemüter, welche die sagenumwobenen Zwischenzeiten nicht scheuen. Neben schauerlichen Geschichten muss man während des Rundganges stets auf der Hut sein vor den plötzlichen Begegnungen mit den Kreaturen aus der Zwischenwelt. Dabei bleibt die Frage offen: Sieht man sie wirklich oder spielt uns unsere Phantasie doch nur einen Streich?

Da muß man erstmal drauf kommen. Und neben all dem Gruselspaß lernt man auch noch Fundiertes!

Infos und Anmeldung: www.anja-kretschmer.de  oder Hansestadt Buxtehude, Friedhofsverwaltung, T 04161/64400 oder 644011
fg68@stadt.buxtehude.de

Nächster Termin: Samstag, 27. April, 19 Uhr bis 20:30 Uhr, Treffpunkt: Friedhofskapelle Waldfriedhof, Heitmannsweg, Eintritt: 12 Euro

Um Anmeldung wird gebeten.

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