Filmabend in der „3falt“ wechselt den Blick auf Flüchtlingsthematik:

Das neue Leben

Das Filmteam von "Newscomers" mit Regisseur Ma’an Mouslli. Er kommt zur Vorführung nach Harburg. (Foto: PR)

Hundertausende Flüchtlinge kamen auch nach Deutschland. So einfach wir sie „Flüchtlinge“ nennen können, so wenig wird es ihren eigenen Biografien gerecht. Der Film „Newcomers“ schärft den Blick fürs Individuelle und ist bald in Harburg zu sehen.

Flüchtlinge – das assoziiert oft Menschenmassen, Armut, Sprachprobleme und Andersartigkeit. Ma´an Mouslli stammt aus Syrien, wo er IT-Manager war. Auch er kam nach Deutschland, lernte die deutsche Sprache und begann sich dem Filmgenre zu widmen. Sein Sujet: Flüchtlinge wie er. Aber mit Persönlichkeit, eigener Geschichte und eigenem Gesicht. Es entstand der Film „Newcomers“ und gibt einen faszinierenden und berührenden Einblick in die Individuen hinter dem pauschalen Terminus vom „Flüchtling“. Der Film wird nun am Freitag, den 07. Dezember um 20 Uhr im Projekt „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ in der leerstehenden Harburger Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße 44 gezeigt. Und der Filmemacher wird selbst dabei sein und ins Gespräch mit dem Publikum bringen.

Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Newcomers“ ist kein nüchterner Dokumentarfilm. Sondern einer, der jenen ein Gesicht und eine Stimme gibt, die aus der Not Zuflucht bei uns suchen. Wie fühlt es sich für sie an, in einem Land zu leben, das schwankt zwischen Angst und Hilfsbereitschaft, zwischen mitfühlendem Verständnis und Neofaschismus? Was bedeutet es, „Flüchtling“ zu sein? Um diese Frage zu beantworten hatte sich ein interdisziplinär zusammengesetztes Filmteam aus Geflüchteten und Einheimischen auf eine Reise quer durch Deutschland gemacht. Das Team setzte sich zusammen aus überwiegend ehrenamtlich engagierten Menschen, die länger und kürzer in Deutschland leben, teils noch studieren, teils im Berufsleben stehen, einige mit mehr, andere mit weniger Erfahrung in der Film- und Medienbranche. Jeder „Flüchtling“ eine eigene Biographie, eigener Lebensweg, eigenes Empfinden.

In 29 Interviews erzählen die geflüchtete Menschen vom Tragischen, aber auch vom Schönen und Hoffnungsvollen: Von Verfolgung, Krieg und den Umständen der Flucht, aber auch von Träumen und Kindheitserinnerungen, vom stetigen Kampf für Freiheit und Würde.

Das Portal programmkino.de: „Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.“

Darüber, wie schwierig die Reisen nach Deutschland waren, wird so gut wie nichts erzählt. Für Mouslli sind diese abenteuerlichen Geschichten, über die andere so gern berichten, nicht wichtig. Stattdessen erzählen seine Protagonisten von ihrem neuen Leben in Deutschland.“

„Newcomers“ ist das bereits dritte Regie-Werk des in Osnabrück lebenden syrischen Regisseurs Ma’an Mouslli. Mit der Dokumentation „Shakespeare in Zaatari” über geflüchtete Kinder im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari gewann er 2016 schon den Preis „Bester Film Non Professional“ beim Film Festival Cologne. „Shakespeare in Zaatari“ sorgte auch international für Aufsehen: Er lief unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, dem Los Angeles CineFest, dem Human Rights Film Festival Barcelona, dem International Scandinavian Film Festival und dem Roma Cinema Doc. (Quelle: Pressetext newcomers.de)

In einer AG des Osnabrücker Zentrums für Flüchtlinge „Exil“ traf er dann dessen Geschäftsführerin Sara Höweler, mit der er zusammen dann das Konzept von „Newcomers“ entwickelte. Ohne Erfahrungen und ohne Förderung. Und da es ja auch kein kommerzielles Projekt sein sollte, war und ist, beteiligten sich dennoch zahlreiche Stiftungen und Firmen an der Finanzierung, sodass schließlich ein Budget von 130.000 Euro aufgebracht wurde.

In Harburg unterstützt die steg Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH die Vorführung im Quartier, weil der Film einen Beitrag leisten kann, indem er zum Hinsehen, Zuhören und Einfühlen auffordert. Zuschauer werden statt des Fremden den Mitmenschen sehen.

Fr., 7. Dez., 20h: Newcomers, Deutschland 2018. Regie: Ma’an Mouslli, 63 Min., ab 12 J., die Vorführung ist kostenlos. Einlass ab 19.30 Uhr. Ort: 3falt, Neue Straße 44, 21073 Hamburg

Weiterführender Link: ´Tiefgang` vom 30. Jun. 2018: „Hört doch mal einfach zu!“

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