Serie „Gedenken in Harburg“: Clara Cohn – Vogelhüttendeich 40 (Wilhelmsburg)

Das Modehaus Sa-La sollte die Zukunft sein

Das Modehaus in Harburg war beliebt. Doch die Nationalsozialisten beendeten den Traum …

Clara Cohn wurde am 12.7.1888 in Wongrowitz in Posen (heute: Wa¸growiec, Polen) geboren und kam vermutlich mit ihren Geschwistern nach Hamburg. In Harburg meldete sie sich am 8. Juli 1910 mit der Adresse Lüneburger Straße 46 an. Noch im selben Jahr, am 10. November 1910, zog sie nach Sande bei Bergedorf, kam aber im darauffolgenden Juni wieder zurück nach Harburg.

Am 24. Oktober 1919 heiratete Clara Laser den Kaufmann Bruno Cohn, der am 27.9.1890 in Lübeck geboren worden war. Das Paar lebte in der Brückenstraße 5 in Harburg in einer Wohnung im Parterre. Am 2.10.1920 kam dort ihr einziges Kind, Hildegard, zur Welt. Die Familie zog am 18. April 1922 in das Haus Rathausstraße 4 und lebte ab 10. Oktober 1930 in der Lüneburger Straße 28. In diesem Haus betrieben Bruno Cohn und seine Frau das Modehaus Sa-La, ein „Spezialhaus für Herren- und Damen-Moden“.

Ein Dokument belegt nämlich, dass im Oktober 1920 die Handelskammer dem Amtsgericht Harburg anzeigte, dass die Firma Modehaus Sa-La, Inhaber Bruno Cohn, an der Lüneburger Straße, Ecke Lohmühlenweg (heute: Walkmühlenweg), „in der bevorzugtesten Geschäftsgegend ein Herrenmodengeschäft [betreibt], ohne dass sie im Handelsregister eingetragen“ sei. Die Firma, die für das Steuerjahr 1920 mit 80 RM Staatsgewerbesteuer veranlagt wurde, sei dazu aber verpflichtet, so die Handelskammer Harburg. Daraufhin ließ Bruno Cohn am 1. November 1920 sein Bekleidungsgeschäft in das Handelsregister eintragen. Seiner Ehefrau Clara erteilte er Prokura. Das Ehepaar betrieb das Modehaus sehr erfolgreich und bildete regelmäßig Verkäuferinnen aus.

1938 war Schluss

Nach 1933 litten auch in Harburg die jüdischen Familien unter der antisemitischen Verfolgung und die Einzelhändler unter nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen. Das Modehaus Sa-La schloss am 7. März 1938 seine Türen.

Clara und Bruno Cohn verkauften das Geschäft und das Grundstück an die Firma Otto Bretschneider & Co., Hamburg Harburg, Wilstorferstraße 2. Zu Anfang April verließ das Ehepaar Cohn Harburg und lebte anschließend in Hamburg in der Grindelallee 132. In das Haus Lüneburger Straße 28 in Harburg zog das Tapetengeschäft der Firma Otto Bretschneider ein. Im ersten und zweiten Stock darüber befand sich 1939 das Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP, Ortsgruppe Harburg-Altstadt.

Haft wegen „Rassenschande“

Ab 1. September 1938 arbeitete Bruno Cohn bei seinem Schwager Joseph Juda in dessen Herrenmodengeschäft an der Süderstraße 162 in Hamburg. Möglicherweise unterstützte Bruno Cohn die Schwester seiner Frau, Rosa Juda, im Geschäft, während Joseph Juda, sein Schwiegersohn Oskar Salomon und Adolf Leo Laser wegen des Vorwurfs der „Rassenschande“ inhaftiert waren.

Einen Tag nach der Pogromnacht 1938 wurde Bruno Cohn selbst in „Schutzhaft“ genommen und im Alter von 48 Jahren in das KZ Sachsenhausen deportiert. Nach zweimonatiger Haft unter unmenschlichen Bedingungen kehrte er am 10. Januar 1939 krank nach Hamburg zurück. Am darauffolgenden Tag wurde er in das Israelitische Krankenhaus eingewiesen. Hildegard Cohn, die Tochter von Clara und Bruno Cohn, konnte im Sommer 1939 nach England emigrieren und überlebte. Ihre Eltern wurden am 8. November 1941 nach Minsk deportiert.

Vor dem Haus Grindelallee 132, ihrer letzten Hamburger Adresse, liegen Stolpersteine für das Ehepaar Cohn. Vor dem Haus am Vogelhüttendeich 40, wo ihre Neffen Adolf und Rudolf Laser lebten, liegt auch ein Stein für Clara Cohn, obwohl sie dort nie amtlich gemeldet war.

© Barbara Günther

Quellen: 1; 2 (R 1942/25); StaH, 332-8 Meldewesen, K4409; StaH, 351-11, AfW, 43467; StaH 430-64 Amtsgericht Harburg, VII B 759; Adressbuch 1939, S. 724 (online-Ausgabe http://agora.sub.uni-ham burg.de/subhh-adress/digbib/view;jsessionid=FC74E6B89E07C3E186B4E58AA501CF05.agora2?did= c1:648140&sdid=c1:650817 (eingesehen am 5.12.2011).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

 (leichte Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

weiterführender Link: stolpersteine-hamburg.de

Standort Vogelhüttendeich: google/map

 

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