Initiative KulturWohnZimmer ist zurück im Gloria-Tunnel:

Dann eben anders!

Den "Gloria-Tunnel" bunt zu bekommen, schafft man stehend wie sitzend. (Foto: KuWoZi)

„Die sitzen doch da nur rum“, soll ein Politiker über das soziokulturelle Projekt gesagt haben. Nun stehen sie eben auf und packen es auch ohne Bezirkspolitik an. Sie können dabei helfen …

Im November 2017 kam die frohe Kunde: ein neues Kulturprojekt und von Studierenden des Kunstbereichs der Medical School Hamburg, der im Harburger Hafen zuvor ein neues Zuhause gefunden hatte eröffnete ein „KulturWohnZimmer“ im einstigen „Schmuddeltunnel“ zwischen Lüneburger Straße und Seevepassage. (´Tiefgang` berichtete im Nov. 2017 „Ein Wohnzimmer für Kultur“).

Und wahrlich – es kam Leben in die Durchgangsgruft. Es wurde neugierig beäugt, gesprochen und letztlich gemalt, gesungen und gemacht.

All das kostet Zeit. Und Zeit ist Geld und als für die meisten Studierenden das Ende der Lehrjahre vor der Tür stand, war man der Überzeugung: man hat was bewegt, man hat gezeigt: da geht doch was!

Weit gefehlt.

Mehrere Anträge im Bezirksparlament Harburg liefen ins Leere. Nicht, dass es nicht hätte Pro- und Kontra-Argumente für den Finanzierungsantrag geben können. Denn „wer hat das bestellt?“, „Ist es das wert?“, „Ist das angemessen im Vergleich zur auch von Haus aus kümmerlichen Finanzierung alt eingesessener Kulturprojekte im Süden“ … Es wäre einen Austausch wert gewesen. Aber dazu kam es harburglike gar nicht erst, denn zwei Mal wurden die Anträge schlichtweg abgelehnt. Diskussionslos. (Siehe auch ´Tiefgang` vom 14. Juli 2018: ´Würdelos`)

Ein Politiker – so munkelte es sich aus dem nicht-öffentlichen Entscheidungsraum des Parlaments heraus – soll entgegnet haben: „Die sitzen doch da nur rum!“ Also ganz anders als ´gestandene` Parlamentarier.

Nun sind sie dennoch wieder da und scheinen sich zum Motto zu nehmen: kein Blabla – machen!

Und so haben sie gleich auch eine Crowdfunding-Kampagne im Gepäck.

Ziel: bis Ende November sollen 6.300 € gesammelt werden, um Materialien, Werbung, Versicherung, und professionelle Betreuung damit abzudecken.

In einer zweiten Etappe sollen noch mal 6.300,- € zusammenkommen, um das Kulturwohnzimmer bis Ende Februar 2019 in vollem personellen Umfang agieren zu lassen. Mit professioneller Betreuung an allen Öffnungstagen.

„Wir möchten Menschen neue Räume für Kommunikation eröffnen“, heißt es auf der website der Kampagne. „Dies geschieht im Kontext des Kulturwohnzimmers durch unterschiedliche künstlerische Methoden. Das Kulturwohnzimmer ist Dienstag bis Donnerstag im Gloriatunnel in Harburg von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Dies ist die Basis des Kulturwohnzimmers. Es kann sich aber auch frei im öffentlichen Raum bewegen. So zum Beispiel bei Spray-Aktionen mit einer mobilen Spraywand. Das Kulturwohnzimmer ist immer dort, wo durch künstlerische Aktivitäten ein Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Schaffen geöffnet wird.“

Was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe?

Das Ziel des Projektes ist, durch künstlerische und kunstanaloge Methoden Austausch und Begegnung zwischen Menschen in Hamburg-Harburg zu fördern. Eingeladen sind alle Menschen – ausnahmslos.

Finanzielle Hürden gibt es keine, sprachliche Barrieren sind im gemeinsamen künstlerischen Arbeiten untergeordnet. Es gibt Möglichkeiten der Teilhabe für Menschen allen Alters.

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Das Projekt Kulturwohnzimmer kann einen Beitrag leisten zu einem guten Zusammenleben in Hamburg-Harburg. Das haben wir in der ersten Phase des Kulturwohnzimmers in unzähligen Aktionen und verschiedensten Formen erlebt. Damit sich jedoch etwas nachhaltig verändern kann, bedarf es Kontinuität. „Das wollen wir durch diese Kampagne gewährleisten und gleichzeitig möchten wir unabhängig von staatlichen Geldern und parteilichen Einflüssen agieren“, so die Lehren der Akteur*innen aus der Harburger Politiklandschaft.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Von dem Geld werden Materialien zum künstlerischen Arbeiten, Werbemittel für Veranstaltungen, Versicherungskosten und Honorare für eine professionelle Begleitung des Projektes finanziert.

In dieser zweiten Phase des Kulturwohnzimmers setzt sich das Team aus den mittlerweile fertig ausgebildeten GründerInnen und Studierenden im Praxissemester zusammen. Es ist uns ein Anliegen, die bisher gemachten Erfahrungen weiter zu geben.
„Wenn das erste Fundingziel erfüllt wird, dann können wir die PraktikantInnen an einem Tag der Woche professionell unterstützen. Das Kulturwohnzimmer kann somit in seiner gewohnten Form öffnen.
Sollte das zweite Fundingziel erreicht werden, könnten wir das Kulturwohnzimmer stetig weiterentwickeln und auf einen guten Mix an Ausgelernten und Studierenden BetreiberInnen bauen. Außerdem könnten wir den PraktikantInnen eine gerechtfertigte Aufwandsentschädigung zahlen.“

Wer steht hinter dem Projekt?

Das Kulturwohnzimmer wird betrieben von AbsolventInnen und Studierenden der Expressive Arts in Social Transformation an der Medical School Hamburg. Zu diesem Zweck wurde der Verein Kulturwohnzimmer gegründet. Die Räumlichkeiten werden freundlicher Weise von der Stadterneuerungs- und entwicklungsgesellschaft zur Verfügung gestellt.

Sie können das Projekt unterstützen – schon mit wenigen Euro und ganz simpel mit Direktüberweisung über das Crowdfunding-Portal.

Weiterführender Link: startnext.com/kuwozi

 

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