Einstiger Heisenberg-Lehrer für Engagement geehrt worden:

Bundesverdienstkreuz für Klaus Möller

April 2017: Klaus Möller im Gespräch mit der derweil verstorbenen ehemaligen Neugrabener Zwangsarbeiterin Dagmar Lieblova . (Foto: Christian Bittcher)

Der Harburger Klaus Möller engagiert sich seit Jahren gegen das Vergessen des Nazi-Terrors. Nun wurde ihm zu Ehren Hamburger Rathaus gefeiert.

Die gute Nachricht kam per Post: In einem Schreiben teilte die Hamburger Senatskanzlei Klaus Möller (83) mit, dass ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen werde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschrieb die entsprechende Urkunde bereits im Dezember. Bei einer Feierstunde im Hamburger Rathaus nahm Möller nun Urkunde und Verdienstkreuz aus der Hand von Schulsenator Ties Rabe entgegen: Außergewöhnliche Auszeichnung eines Mannes, der seit Jahrzehnten wie kaum ein anderer in Harburg unermüdlich im Einsatz ist wider das Vergessen der nationalsozialistischen Gräueltaten.

Dass sich Klaus Möller für Geschichte interessiert, kommt nicht von ungefähr: 38 Jahre hat er Englisch und eben Geschichte unterrichtet. Zuletzt, und bis zu seiner Pensionierung 1999, lange Zeit als stellvertretender Leiter des Heisenberg-Gymnasiums. Damals wie heute speiste er seine Motivation aus dieser Überzeugung: „Wer die Geschichte kennt, weiß, wie wichtig es ist, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholt.“ Ein Ansatz, den auch der Senator in seiner Ansprache hervorhob: „Sie haben mit Beharrlichkeit und viel Fingerspitzengefühl dafür gesorgt, dass sich auch junge Menschen mit den Geschichten der Opfer, ihrem Leben und ihrem Leiden auseinandergesetzt haben.“

Bertini-Preis für neun Dokumentationen

Als Lehrer und später auch als treibende Kraft bei der „Initiative Gedenken in Harburg“, die im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feierte und der er fast von Anfang an angehört, hat er immer wieder Schüler bei ihren Projektarbeiten begleitet und unterstützt. Mit großem Erfolg: Zehn dieser Dokumentationen gingen ins Rennen um den Bertini-Preis, neun wurden tatsächlich mit dem Preis ausgezeichnet: „Das ist unter Hamburger Lehrkräften absoluter Rekord“, sagte Rabe.

Der Bertini-Preis wird jedes Jahr an Schüler vergeben, die sich in besonderer Weise für mehr Toleranz und gegen das Vergessen von Unrecht und Unmensch-lichkeit während der Nazi-Zeit einsetzen. Der Bertini-Preis e. V. war es auch, der Möller für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat. An sich hätte er es in Hannover entgegennehmen sollen. Denn Möller lebt mit seiner Frau Irmtraut (75) seit 50 Jahren in Rosengarten. Doch Hamburg konnte sich durchsetzen: Weil Möller mit seinem Engagement hier so sehr verwurzelt ist, kam es zur Feierstunde im Hamburger Rathaus.

An der nahmen auch ehemalige Schüler, Lehrer sowie Mitstreiter von „Gedenken in Harburg“, dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Landeszentrale für politische Bildung, der Hamburger Stolperstein-Initiative und des Bertini-Preis e. V. teil. Alles Menschen, „ohne die meine jahrelange Arbeit Stückwerk geblieben wäre“, sagt Möller. So aber ergibt sich ein komplexes Bild: Möller veröffentliche zahlreiche Kurzbiografien von Opfern des Nationalsozialismus. Er sorgte mit dafür, dass die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, mit Stolpersteinen an die Opfer des Nazi-Terrors zu erinnern, vor 15 Jahren auch in Harburg umgesetzt wurde. Aktuell bringt es der Bezirk auf 231 Steine.

Möller organisierte Putzaktionen und mehr als 100 Rundgänge. Zudem sorgte seine Harburger Initiative dafür, dass mehr als 100 Zeitzeugen Harburg einen Besuch abstatteten. Was Möller dabei stets besonders beeindruckt und nachhaltig bewegt, ist der direkte Austausch zwischen diesen Holocaust-Überlebenden und Schülern. Klaus Möller ist überzeugt: „Ein Gespräch mit einem Zeitzeugen bringt so viel wie fünf Stunden Geschichtsunterricht.“

Möller selbst merkt noch an: „Über die unerwartet vielen Glückwünsche zu meiner Ehrung durch den Bundespräsdidenten habe ich mich ungemein gefreut, ohne dabei zu vergessen, dass Unzählige von Euch zu dieser eindrucksvollen Bilanz einer lebendigen Erinnerungsarbeit im Bezirk Harburg in erheblichem Maße beigetragen haben. Für diese Mitwirkung bin ich überaus dankbar. Ich hoffe, dass das Engagement gegen das Vergessen auch in Zukunft viel Positives bewirkt, und wünsche allen ein frohes Osterfest.“

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