Jesteburger Kunststätte bekommt „Kunsthalle der Lüneburger Heide“

„Bossard neu denken“

Jutta Bossard, Wilma Krull, Johann Bossard und Emil Hegg (von links) Mitte der 1930er Jahre bei der Getreideernte (Foto: Kunststätte Bossard)

Mitte November kam die frohe Kunde: der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte über 5 Mio. Euro für den Ausbau der Kunststätte Bossard in Jesteburg. Und das ist nicht alles …

Am Donnerstag, dem 14.11.2019, kam die sensationelle Nachricht: Der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte für die Kunststätte Bossard einen Zuschuss in Höhe von 5.380.000 €. Mit dem Geld des Bundes, das in gleicher Höhe gegenfinanziert werden muss, wird ein Zukunftskonzept samt einer Neubauplanung angestrebt. Dazu Landrat Rainer Rempe, Stiftungsratsvorsitzender der Kunststätte Bossard: „Ich freue mich sehr, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags für dieses zukunftsweisende Projekt im Landkreis Harburg eine solche Summe bewilligt hat und möchte mich ausdrücklich bei unseren Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer und Svenja Stadler für ihren Einsatz und ihre Unterstützung bedanken. Gleichzeitig geht mein Dank an Prof. Dr. Rolf Wiese für sein Konzept zur Weiterentwicklung der Kunststätte Bossard, das er in enger Abstimmung mit Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr erstellt hat.“

Die verantwortliche Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr freut sich: „Das ist ein echter Meilenstein für uns. Die Museumsbesucher dürfen sich zukünftig mit dem geplanten Neubau und der Neukonzeption des Unternehmens auf mehr Service in vielen Bereichen freuen. Vor allem sollen Ausstellungen, Bildung und Vermittlung einen neuen Stellenwert erhalten, damit das einzigartige Gesamtkunstwerk besser erfahrbar wird.“ Bereits im Juni dieses Jahres hat der Stiftungsrat der Kunststätte Bossard Prof. Dr. Rolf Wiese mit der Vorbereitungsplanung für einen Neubau sowie der Erstellung eines Zukunftskonzeptes beauftragt. Zielsetzung: die Kunststätte Bossard breitenwirksamer bekannt und für Besucher attraktiver zu machen. Mit seinem vorliegenden Konzept unter dem Motto „Bossard neu denken“ hat Rolf Wiese dieses Zielbündel aufgegriffen und gekonnt umgesetzt. „Besonders schön finde ich es, dass ich 25 Jahre nach der Stiftungsgründung, an der ich damals auch mitgewirkt habe, dieses Konzept erstellen durfte“, so Wiese. „Es ist die Chance, die Kunststätte Bossard zu einem Museum mit nationalem Anspruch zu entwickeln.“ Zusammen mit dem Architekten Christoph Frenzel (Buxtehude) konzipierte Rolf Wiese eine Vision eines Neubaus.

Das Konzept

Das Konzept sieht für die „Kunsthalle der Lüneburger Heide“ ein neues Eingangs- und Ausgangsgebäude vor. In diesem Gebäude sollen den Besuchern eine Einführung in die Welt von Johann und Jutta Bossard und eine Dauerausstellung zur Kunst und Kulturgeschichte der Lüneburger Heide präsentiert werden. Darüber hinaus stehen Räumlichkeiten für Sonderausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Den Museumsbesuchern wird in einem Wohlfühl-Ambiente eine attraktive Infrastruktur mit Kreativlabor, Laden, Café und Informationsbereich geboten. Die Neukonzeption orientiert sich hierbei vor allem am Schaffen von Johann und Jutta Bossard im Sinne der „Lebensreform“. Das Leben im Gesamtkunstwerk, inmitten der expressionistisch gestalteten Gebäude, der Gartenkunst und der Skulpturen, kombiniert mit der eigenen, kleinen Landwirtschaft war den Bossards besonders wichtig. Dieser Vision folgt Rolf Wiese. Das Außengelände erfährt im Sinne des Künstlerehepaars eine Aufwertung. Die Obst- und Gemüsegärten, die ehemalige Landwirtschaft mit einem großen Getreidefeld, die dort gehaltenen Tierarten wie Schweine, Milchschafe, Heidschnucken, Hühner, Enten und Bienen, aber auch ein Kinderspielplatz werden das alltägliche Leben der Bossards verdeutlichen. Ein buntes Aktionsprogramm im Sommer sowie im Winter wird das Gesamtkunstwerk für Groß und Klein erfahrbar machen.

Das Gesamtkunstwerk

Die Kunststätte Bossard gilt als eine Attraktion im Landkreis Harburg. Wie in einem Märchen, tief im Wald bei Jesteburg versteckt, liegt das Anwesen der Bossards. Ab 1911 erschuf Johann Bossard zusammen mit seiner Frau Jutta Bossard-Krull seine Vision eines Gesamtkunstwerks. Auf einem 3 ha großen Grundstück verwirklichten die beiden Künstler ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der verschiedene Künste – Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst – zu einer Einheit verschmelzen. Zur besonderen Vision der Bossards gehört es, im Sinne der „Lebensreformbewegung“ Kunst und Leben in Einklang mit Natur und Landwirtschaft zu bringen. Bis zu Johann Michael Bossards Tod (1950) arbeiteten beide unermüdlich an diesem Werk. Heute gilt die Kunststätte Bossard als ein einzigartiger Ort, an dem expressionistische Wandmalerei und Raumausstattung im ursprünglichen Zusammenhang erhalten geblieben sind. Die Kunststätte Bossard wurde 2012 mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe (Europa-Nostra-Preis) ausgezeichnet.

 Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, www.bossard.de

 

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