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Resonanz und Begegnung

Der Landesmusikrat Hamburg veranstaltet am 17. September 2021 zum Auftakt der Aktionswoche Demenz (19.-24.09.) eine bundesweit ausgeschriebene Online-Fachtagung. Dabei auch Professor Sonntag aus Harburg.

Die Tagung steht unter dem Motto „Resonanz und Begegnung | Musik im Alter und bei Demenz im Zeichen von Digitalisierung und Distanz“. Die Corona-Pandemie hat Musik bezogene Aktivitäten für Menschen mit Demenz abrupt zum Erliegen gebracht. Dann aber hat sie ein hohes Maß an Kreativität freigesetzt und für die Pflege, Betreuung und Behandlung von Menschen mit Demenz einen Innovationsschub ausgelöst.
Die unmittelbare zeitliche Nähe der Fachtagung zur bundesweiten Aktionswoche Demenz wurde bewusst gewählt. „Die Aufmerksamkeit für das Thema Demenz in diesen Tagen wollen wir nutzen, um das Interesse auch auf das spezielle Thema „Musik und Demenz“ zu lenken“, so Norbert Groß, Projektleiter Musik und Demenz beim Landesmusikrat Hamburg. „Wenn wir ein achtsames, respektvolles und teilhabeorientiertes Miteinander von Menschen mit und ohne Demenz fördern wollen, muss Musik dabei eine bedeutsame Rolle zufallen.“ Denn das Leben mit Demenz und die Entwicklung einer Demenz können durch Musik – aktives Musizieren, aber auch Musikhören, ebenso wie Singen und Tanzen –positiv beeinflusst werden. „Eine inklusive Gesellschaft, die sich der Einlösung des Menschenrechts auf kulturelle Teilhabe gemäß Art. 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auch für ihre von Demenz betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger verpflichtet weiß, muss für Strukturen und Angebote Sorge tragen, die dem gerecht werden“, fordert Theo Hartogh, Professor für Musikgeragogik an der Universität Vechta.
Digitale Formate und Medien werden über Corona hinaus ihren festen Platz im Rahmen musiktherapeutischer und -geragogischer Angebote für alte Menschen und Menschen mit Demenz einnehmen. Sie können neue Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation erschließen und bewährte Formate und Angebote ergänzen und unterstützen. „Corona hat für eine Unterbrechung professioneller Routinen und Selbstverständlichkeiten gesorgt. Damit bietet sich jedoch die Chance, die musikbezogene Kommunikation und Interaktion mit Menschen mit Demenz neu zu reflektieren und weiterzuentwickeln“, stellt Jan Sonntag, Professor für Musiktherapie an der Hamburg Medical School fest.
Künstler*innen und Therapeuten*innen, Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen werden entsprechende Erfahrungen und Erkenntnisse präsentieren. Musizieren und Musik erleben mit demenziell Erkrankten ist immer auf Abstand angewiesen. Der Einsatz digitaler Medien ersetzt keinesfalls menschliche Begegnung und Zuwendung, sondern ist darauf angewiesen und eröffnet neue Möglichkeiten kultureller Teilhabe. Im zweiten Teil der Tagung bieten eine breite thematische Palette von Webinaren die Möglichkeit, Best Practice-Beispiele kennenzulernen und Impulse für die eigene Praxis aufzunehmen. Interaktive Elemente werden ausreichend Gelegenheit zum Feedback und zur aktiven Beteiligung eröffnen. Aufgrund der Hygiene- und Abstandsbestimmungen musste die ursprünglich geplante Präsenztagung abgesagt werden; sie wurde auf den Temin 16./17. September 2022 verlegt und findet dann wieder im gewohnten Format statt.
Die Fachtagung wird unterstützt von der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft (DMtG), der Deutschen Gesellschaft für Musikgeragogik (DGMG), der Homann-Stiftung, Hamburg, und der Körber-Stiftung, Hamburg.
Kontakt: Thomas Prisching, Tel. 040.6452069, Mail: prisching@lmr-hh.de

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